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Wortschatz

Geschrieben von dirk am in

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Wortschatz (auch Vokabular oder Lexik/-on) bezeichnet einerseits alle Wörter einer Sprache zu einem bestimmten Zeitpunkt. Unter Wortschatz versteht man aber auch sämtliche Wörter einer Sprache, die eine Person beherrscht. Der Wortschatz der deutschen Alltagssprache wird laut Duden (Deutsches Universalwörterbuch) auf etwa 500.000, der zentrale Wortschatz der Standardsprache auf rund 70.000 Wörter geschätzt

Beim Wortschatz einer einzelnen Person unterscheidet man allgemein zwischen einem Verstehenswortschatz bzw. rezeptivem Wortschatz und einem Mitteilungswortschatz, auch produktiver Wortschatz genannt. Den Verstehenswortschatz benötigt man, um mündliche oder schriftliche Texte zu verstehen. Den Mitteilungswortschatz ruft man beim Sprechen und Schreiben ab, verwendet ihn also produktiv. Die Begriffe „aktiver“ und „passiver“ Wortschatz, die man früher gebrauchte, sind unangemessen und irreführend; da auch der so genannte passive Wortschatz von den Lernenden eine geistige Aktivität erfordert.

Der Verstehenswortschatz schließt den Mitteilungswortschatz mit ein und ist folglich immer größer. Erwiesenermaßen versteht man in einer Sprache etwa drei- bis fünfmal mehr Wörter, als man selbst produktiv einsetzt.

Unter Grundwortschatz versteht man in der Regel einen Mitteilungswortschatz, mit dem ein Mensch im Alltag kommuniziert. Ein Grundwortschatz für Grundschulkinder enthält naturgemäß andere Wörter als ein Grundwortschatz für Erwachsene. Der Umfang des Grundwortschatzes ist je nach sozialen, familiären und Bildungshintergründen unterschiedlich – bei Erwachsenen ebenso wie bei Kindern. Der Allgemeine Deutsche Wortschatztest, der im Jahr 2005 neu festgesetzt wurde, setzt bei einsprachigen Schulanfängern einen Mitteilungswortschatz von 5000 bis 9000 Wörtern und einen Verstehenswortschatz von 10.000 bis 14.000 Wörtern vor-aus. Kinder mit Migrationshintergrund aus bildungsfernem Hintergrund kommen oft erst im Kindergarten, mit vier oder fünf Jahren, mit der deutschen Sprache in Berührung und haben entsprechend bei Schulbeginn einen eingeschränkten Wortschatz.

Im Laufe der Grundschulzeit werden die Lernenden zunehmend mit Fachwortschatz, also Fachwörtern und -begriffen, aber auch mit komplexen Wortstrukturen, z. B. zusammengesetzten Wörtern mit Hilfe von Wortfeldern konfrontiert, die nicht in der Alltagssprache vorkommen. Nicht-Muttersprachler verstehen diese Wörter und Begriffe nur, wenn die Lehrkraft sie mit ihnen bewusst zerlegt und ableitet. Dabei müssen die Schüler Wortfamilien als strukturierende Methoden kennen lernen. Nach und nach müssen Schüler Fachwortschatz verstehen und anwenden können, denn fachsprachliche Fähigkeiten sind maßgebend für eine erfolgreiche Schulkarriere.

Heidi Rösch (Hg.), Deutsch als Zweitsprache. Grundlage, Übungsideen, Kopiervorlagen, Schroedel Verlag, 2003 Hannover

Synonyme: Vokabular
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