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Sprachstandserfassung

Geschrieben von dirk am in

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Seit Veröffentlichung der ersten PISA-Studie, die v. a. Migrantenkindern in Deutschland große Defizite bescheinigte, wird im deutschen Bildungssys-tem mehr auf Sprachstand, Sprachentwicklung und Sprachförderung in der Schule geachtet. Folglich werden seitdem verstärkt Instrumentarien zur Sprachstandserfassung entwickelt. Diese Diagnoseverfahren sollen die Fertigkeiten der Kinder prüfen und frühzeitig den Bedarf nach Förderung aufzeigen. Zudem sollen sie Lehrkräfte über den jeweiligen Sprachstand ihrer Schüler informieren und ihnen helfen, die Lernenden in ihrem Sprachentwicklungsprozess gezielt zu unterstützen. Angefangen von freien Sprachproben bis hin zu normierten Sprachtests können Sprachstandsdi-agnoseverfahren helfen, Schüler einzustufen und Förderprogramme zu erstellen. Verlässliche Aussagen zur Sprachkompetenz von Schülern sind am ehesten durch eine Kombination verschiedener Diagnosen möglich: durch gezielte Beobachtungen, Fehleranalysen und allgemeine Befunde. Um der kindlichen Entwicklung gerecht zu werden, sind wiederholte und kontinuierliche Erhebungen nötig. Sie dokumentieren den Sprachentwick-lungsprozess und helfen, passgenaue Förderangebote zu entwickeln.

Folgende Sprachstandsfeststellungen sind sinnvoll:

Standardisierte Tests:

  • C-Test
  • Stolperwörterlesetest
  • Profilanalyse nach Grießhaber,
  • Sprachstandsüberprüfung und Förderdiagnostik für Ausländer- und Aussiedlerkinder (SFD)

Nicht standardisierte Tests:

Diagnostische Verfahren sollen auf der Basis eines ganzheitlichen Ansatzes vom Lernenden als Individuum mit Stärken und Schwächen erstellt werden. Maßgeblich dafür sind

  • die Erfahrungen der Lehrkräfte und deren Kompetenzen als Kenner der einzelnen Schüler Berücksichtigung;
  • qualitative Persönlichkeits- und Kompetenzeinschätzungen und möglichst kein Schüler-Ranking;
  • die Vermittlung von Schlüsselqualifikationen an Schüler und Stärkung ihrer Eigenverantwortlichkeit.

Drei Leitfragen sind maßgeblich, um individuelle Förderpläne zu erstellen:

  • Was kann der Lernende? Wo liegen seine sprachlichen Stärken?
  • Wo hat er Schwierigkeiten?
  • Wie ist er zu fördern? Was muss er als nächsten Schritt lernen?

Reich, Hans H., Sprachstandserhebungen ein- und mehrsprachig, in: Ahrenholz, Bernt, Oomen-Welke, Ingelore (Hg.), Deutsch als Zweitsprache, Schneider Verlag Hohengehren 2008, S. 420 – 429

Dirim, Inci, Sprachstandsdiagnose in: Rösch, Heidi u. a. (Hg.), Deutsch als Zweitsprache. Grundlagen, Übungsideen, Kopiervorlagen zur Sprachförderung, Schroedel Verlag 2003; S. 66 ff.

Kniffka, Gabriele, Siebert-Ott, Gesa, Deutsch als Zweitsprache. Lehren und lernen, Schöningh UTB 2009, S. 115 ff.

Ehlich, Konrad u.a., Anforderungen an Verfahren der regelmäßigen Sprachstandsfeststellung als Grundlage für die frühe und individuelle Förderung von Kindern mit und ohne Migrationshintergrund, hg. vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Berlin, Bonn 2007

 

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