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Spracherwerb, ungesteuert

Geschrieben von dirk am in

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Sprachliche Aneignungsprozesse werden in ungesteuerten und gesteuerten Spracherwerb unterschieden.

Der ungesteuerte Spracherwerb ähnelt dem Erwerb der ersten Sprache beim Kind und erfolgt als unbewusster Vorgang. Er findet bei alltäglichen sozialen Kontakten in informellen Situationen, beispielsweise beim Spielen auf der Straße oder beim Einkaufen statt.

Den beiden Arten des Spracherwerbsprozesses (gesteuert / ungesteuert) werden häufig aufgrund der unterschiedlichen Aneignungskontexte die Begriffe Deutsch als Fremdsprache (DaF) bzw. Deutsch als Zweitsprache (DaZ) zugeordnet: Deutsch als Fremdsprache wird von einer Lehrkraft im Unterricht vermittelt (gesteuerter Spracherwerb) und in der Folge gelernt, wogegen Deutsch als Zweitsprache „in natürlicher Umgebung“ erworben wird.

Die Trennung zwischen den „erlernten“ Sprachkenntnissen „Deutsch als Fremdsprache“ und den „erworbenen“ Sprachkenntnissen „Deutsch als Zweitsprache“ lässt sich allerdings nicht strikt aufrechterhalten, wie am Spracherwerb von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund zu sehen ist: Deren Erwerb der deutschen Sprache beginnt zwar oft bereits vor Eintritt in die Schule ungesteuert in alltäglichen Kontaktsituationen als Deutsch-als-Zweitsprache-Erwerb, findet aber des weiteren während der Schulzeit im DaZ-Unterricht sowohl gesteuert) als auch parallel dazu ungesteuert „auf der Straße“ statt. Hier ist zu überlegen, ob die Definition des ungesteuerten Zweitspracherwerbs „als unbewusster Vorgang“ zutrifft, ist doch durch den DaZ-Schulunterricht in den Köpfen mindestens einiger Schüler eine Basis für eine Sprachbewusstheit und für die Existenz bestimmter grammatischer Regeln gelegt.

 

Synonyme: natürlicher Spracherwerb, ungesteuerter Spracherwerb
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