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Scaffolding

Geschrieben von dirk am in

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Der englische Begriff scaffolding bedeutet „Gerüste bauen“, im pädagogischen Zusammenhang steht er für den Bau von Lerngerüsten, im Kontext von Sprachunterricht für aufbauende Sprachförderung.

Scaffolding als Lehrmethode stammt aus der Entwicklungspsychologie.

Die theoretische Grundlage für das heutige Verständnis von Scaffolding geht auf den russischen Psychologen Lew Wygotski zurück. Wygotski stellte die These auf, dass man bei Lernprozessen zwischen dem aktuellen Entwicklungsstand (Actual Development Level)und dem potentiellen Entwicklungsstand (Potential Development Level) unterscheiden kann. Der aktuelle Entwicklungsstand stellt die momentanen Fertigkeiten des Schülers dar, mit denen Herausforderungen ohne fremde Hilfe bewältigt werden können. Der potentielle Entwicklungsstand repräsentiert Fähigkeiten, die der Lernende noch nicht beherrscht und Aufgaben, die er (noch) nicht selbstständig lösen kann. Den Abstand zwischen dem Niveau des selbstständigen Problemlösens und dem Niveau, das der Lernende unter Anleitung durch eine kompetente Person erreichen könnte, bezeichnete Wygotski als Zone der nächsten Entwicklung. Diese Zone umfasst Anforderungen an den Lerner, die er alleine nicht meistern kann, die jedoch mit Hilfe eines Lehrers oder einer erfahreneren Person in seinen Fertigkeitsbereich rücken. Löst der Schüler diese Aufgaben ohne Unterstützung, so baut sich sein aktueller Entwicklungsstand aus und eine neue Zone der nächsten Entwicklung wird erreicht.

Beim Scaffolding wird Lernen als sozialer Interaktionsprozess verstanden, in dem Lernende durch Anleitungen, Denkanstöße und weitere Hilfestellungen von Lehrern oder Mitschülern Aufgaben bewältigen, die sie allein nicht lösen könnten. Scaffolding folgt dem Grundsatz von Maria Montessori: „Hilf mir, es selbst zu tun!“ Es ist also eine vorübergehende gezielte Unterstützung und Lenkung, die dem Alter, Entwicklungsstand und Erfahrungshorizont des Lerners entspricht. Die Hilfestellung wird stets in der „Zone der nächsten Entwicklung“ angeboten, also in Bereichen, die den aktuellen Wissensstand der Lernenden übersteigen. Somit werden Lernende genau darin unterstützt, über das, was sie bereits wissen oder können, hinauszugehen. Sobald sie in der Lage sind, die Aufgabe eigenständig zu bearbeiten, entfernt man dieses „Gerüst“ wieder.

Scaffolding fördert und fordert und ist eine zwar zeitintensive, aber effektive Methode, DaZ-Lerner zu motivieren und sie zu autonomem Lernen zu führen.

Praktische Unterrichtstipps:

Methoden und Materialien, die im Rahmen von Scaffolding eingesetzt werden sind die Arbeit mit Tabellen, Bildern, Grafiken, Skizzen, Lernplakaten, Mind-Maps, Bildsequenzen, Sprechblasen, Bildergeschichten, szenischen Dialogen etc..

Schnotz, W. (2006), Pädagogische Psychologie Workbook. S.49, Weinheim: Beltz

Wygotski, L. S. (2002), Denken und Sprechen. Psychologische Untersuchungen, Weinheim & Basel, Beltz Taschenbuch Verlag

Gibbons, Pauline (2006): Unterrichtsgespräche und das Erlernen neuer Register in der Zweitsprache. In: Mecheril, Paul; Quehl, Thomas (Hrsg.): Die Macht der Sprachen. Englische Perspektiven auf die mehrsprachige Schule. Münster, New York, München, Berlin: Waxmann, S. 269-290.

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