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Restringierter Code

Geschrieben von dirk am in

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Der Begriff restringierter Code (in englischsprachigen Ländern unter BICS = Basic Interpersonal Communicative Skills bekannt, der sich auf die mündlichen sprachlichen Fähigkeiten, auf die Alltagskommunikation bezieht) geht auf den britischen Soziolinguisten Basil Bernstein zurück. Er untersuchte den spezifischen Sprachgebrauch sozialer Schichten und das Auftreten von Sprachbarrieren. In den 1960er Jahren stellte er die sog. Defizithypothese in der Soziolinguistik auf: Nach dieser These verwenden die Angehörigen der sozialen Mittel- und Oberschicht einer Gesellschaft oder Sprachgemeinschaft eine Sprachvariante der gemeinsamen Einheitssprache, die sich sehr von der Variante der sozialen Unterschicht (Arbeiterklasse) unterscheidet. Die Mittel- und Oberschicht bedienen sich eines elaborierten (formal language), die Unterschicht eines restringierten Codes (public language). Da beide Codes als unterschiedlich leistungsfähig angesehen werden, unterstellt die These bei beiden Gesellschaftsschichten Unterschiede in ihrer Wahrnehmung und ihrem Denken.

Der restringierte Code (konzeptionelle Mündlichkeit) kennzeichnet sich durch

  • kurze, grammatikalisch anspruchslose, oft unvollständige Sätze
  • wenige Adjektive und Adverbien
  • Gebrauch von Sprichwörtern, Stereotypen, Kiezsprachen
  • unpersönliche Sprechweise
  • Verstärkungen am Ende des Satzes (z. B. „Weißt eh!“, „Kannst dir eh vorstellen, oder?“)
  • im Vergleich zum elaborierten Code geringeren Wortschatz
  • unzureichende Erklärungen, da der Sprecher annimmt, der Zuhörer weiß, was der Sprecher auch weiß.

Der restringierte Code wird bildungsfernen Schichten zugeschrieben und von Medien (z.B. Boulevard-Blättern) und Literatur mit dieser Zielgruppe benutzt wird. Basil Bernstein argumentiert mit dieser Kategorisierung, dass der Gebrauch eines Codes eng mit der sozialen Struktur einer bestimmten Kultur verbunden ist. Der restringierte Code ist dort nützlich, wo es eine große Menge geteiltes Wissen unter den Sprechern gibt. Er ermöglicht es dem Sprecher, mit wenigen Worten viel auszudrücken.

DaZ-Lerner aus bildungsfernen Schichten sprechen in der Regel einen restringierten Code.

Synonyme: BICS
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