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Konstruktivistische Lerntheorie

Geschrieben von dirk am in

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Die Kernthese der konstruktivistischen Lerntheorie lautet, dass Lernende im Lernprozess ihre jeweils individuelle Repräsentation der sie umgeben-den Welt bilden. Was jemand unter bestimmten Bedingungen lernt, hängt vor allem vom Lernenden selbst und seinen Erfahrungen ab. Konstruktion von Wissen als methodisches Grundprinzip der Gewinnung von Erkennt-nissen bedeutet also: selbst erfahren, experimentieren, das Erfahrene immer in Bezug zur eigenen Erfahrungswelt setzen.

Der Pädagoge und Lernforscher Kersten Reich beschreibt dies als

  • Rekonstruieren (Entdecken von Welt),
  • Konstruieren (Erfinden von Welt) und
  • Dekonstruieren (Kritisieren von Welt).

Im Sinne der konstruktivistischen Lerntheorie ist Lernen dann effektiv, wenn die Lerner ihren Lernprozess möglichst selbst steuern.

Die konstruktivistische Lerntheorie basiert auf folgenden Grundannahmen:

  • Lerner können nur das verstehen und lernen, was sie mit bereits vor-handenem Wissen verbinden können.
  • Die Konstruktionsprozesse sind individuell verschieden; folglich können auch die Ergebnisse von Lernprozessen nicht identisch sein.
  • Wissen ist immer subjektiv und kann auch bei Lernenden im gleichen sozialen Kontext sehr unterschiedlich sein. Daher sind die Ergebnisse von Lernprozessen individuell verschieden.
  • Neues Wissen führt zur Umstrukturierung bereits vorhandenen Wis-sens. Dabei sind der soziale Kontext und die soziale Interaktion beim Lernenden ausschlaggebend.
  • Lernprozesse sind dann am erfolgreichsten, wenn sie in reiche und au-thentische Lernumgebungen eingebettet sind.
  • Wichtig ist das Prinzip der Selbstorganisation: Der Mensch als System organisiert sich selbst und damit für sich die Welt.
  • Selbstorganisation verbindet sich mit Eigenverantwortlichkeit. Der Mensch ist für das eigene Lernen verantwortlich, weil er damit sein Ü-berleben als System sichert.

Die konstruktivistische Lerntheorie fordert Lernformen, in denen Lehrer nicht nur Wissen vermitteln, sondern als Berater im Hintergrund sind, Lernangebote schaffen, Wissensquellen (z.B. Internet) bereitstellen und den Lernprozess beobachten. Die konstruktivistische Didaktik ist lernerori-entiert und hat zum Ziel, dass Lerner

  • neue Inhalte verstehen,
  • erworbene Kenntnisse und Fertigkeiten flexibel anwenden,
  • Problemlösefähigkeiten und weitere kognitive Strategien entwickeln,
  • sich aktiv und eigenverantwortlich mit dem Stoff auseinandersetzen.

Schülerorientierung und aktives Lernen als Unterrichtsprinzipien sind für DaZ-Lerner nicht nur motivationsfördernd sondern auch persönlichkeits-stärkend.

Unterrichtspraktische Tipps:

Als schülerorientierte Lernformen eignen sich z. B. Scaffolding (als Rahmen für Konstruktivismus) oder Lernerautonomie zur Förderung des indi-viduellen Lernens. Materialien für diese Lernformen bieten sich bspw. Mind-Maps und Schlüsselbegriffskarten an.

arbeitsblaetter.stangl-taller.at/LERNEN/LerntheorienKonstruktive.shtml

wiki.bildungsserver.de/index.php/Konstruktivismus_(Lernpsychologie)

www.uni-koeln.de/hf/konstrukt/didaktik/index.html

Reich, Kersten, Konstruktivistische Didaktik – ein Lehr- und Studienbuch inklusive Metho-denpool auf CD, Beltz-Verlag Weinheim 2006

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