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Halbsprachigkeit / Semilingualismus

Geschrieben von dirk am in

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(doppelte) Halbsprachigkeit / (doppelter) Semilingualismus

Der Begriff „Halbsprachigkeit“ wurde von N. E. Hansegård (1968) geprägt. Die sogenannte Doppelte Halbsprachigkeit ist eine der Formen der Zweisprachigkeit (Bilingualismus), wobei sich die Halbsprachigkeit nicht auf die Sprache als Ganzes, sondern nur auf die kognitiv-akademischen Sprachfähigkeiten bezieht.

Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund wachsen i. d. R. mit (mindestens) zwei Sprachen auf und bilden häufig im Laufe ihrer Entwicklung aufgrund sozialer, persönlicher und emotionaler Ursachen eine starke und eine schwache Sprache aus. Bei Schuleintritt ist gewöhnlich die Muttersprache die starke Sprache, die u. a. aufgrund fehlender schulischer Förderung bald zur schwachen Sprache wird, wogegen die weniger gut beherrschte Zweitsprache sowohl dominante Umgebungssprache als auch Schulsprache ist. Diese plötzliche Umkehrung von starker und schwacher Sprache kann zur Folge haben, dass eine altersgemäße Ausbildung beider Sprachen verhindert wird und dass sich (doppelter) Semilingualismus als reduzierte sprachliche Kompetenz sowohl in der Mutter- (Erst-) als auch in der Zweitsprache bemerkbar macht (begrenzter Wortschatz, nicht korrekte Aussprache, Vermischen der beiden Sprachsysteme etc).

Für die Vermeidung des Auftretens von Semilingualismus und für den Erwerb einer (kompetenten) Bilingualität ist die Beibehaltung bzw. die Pflege der Muttersprache der Kinder nichtdeutscher Herkunftssprache eine wichtige Voraussetzung.

Synonyme: Halbsprachigkeit, Semilingualismus
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