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Entwicklungspsychologie

Geschrieben von dirk am in

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Entwicklungspsychologie ist eine Teildisziplin der Psychologie, deren Ziel die Beschreibung und Erklärung von Veränderungen von Wahrnehmungs-, Kommunikations- und Erkenntnisfähigkeit, Emotionen etc. im menschli-chen Lebensablauf ist. Für Schule und Unterricht sind entwicklungspsy-chologische Erkenntnisse insofern relevant, als sie helfen, Lernprozesse, aber auch Lernschwierigkeiten oder Blockaden bei Schülern zu verstehen und auszuräumen.

Ausgehend von der Frage, wie ein Kind sich entwickelt, kamen Jean Piaget, Lew Wygotsky, Jerome Bruner und andere Entwicklungspsychologen zu der Erkenntnis, dass die Entwicklung des Denkens, der Persönlichkeit und der Sprache miteinander in Beziehung stehen. Sie gingen von der Annahme aus, dass die Entwicklung der logischen Strukturen menschlichen Denkens mehrere Stufen oder Stadien durchläuft, die jedoch nicht linear eintreten, indem eine Denkform die vorausgehende vollständig er-setzt. Vielmehr bauen die Stadien aufeinander auf und stehen in Wechselwirkung zueinander.

Sprache – so die Entwicklungspsychologie – ist nicht nur ein Mittel, sich zu verständigen, sondern hilft auch, Erlebtes und Erfahrenes zu ordnen. Mit Hilfe von Sprache lassen sich Bezüge zwischen Individuum, Denken und Lebensraum herstellen. Der Vorgang des Denkens kann mit innerlichem Sprechen verglichen werden. Haben Menschen jedoch keine Sprache, keine Begriffe für das, was sie umgibt, fehlt ihnen auch ein System, mit dem sie ihre Welt ordnen können.

Diese Erkenntnis erklärt, weshalb es so wichtig ist DaZ-Lerner sprachlich zu fördern. Die Sprache ihres Umfeldes ist für sie nicht nur elementar, um zu kommunizieren. Sprachfähigkeit und -beherrschung korreliert auch mit ihrer Entwicklung und mit ihrem Denken.

Unterrichtspraktische Tipps:

Deshalb ist es wichtig, im DaZ-Unterricht bei Schülern aus bildungsfernem Hintergrund die Begriffsbildung, das vernetzte Denken zu entwickeln und aufzubauen. Nach Bruner hieße das, den Lerner zuerst an dem konkreten Begriff heranzuführen und ihn dann sukzessive in die schriftliche oder Symbolhandlung überzuleiten. Elementare und vielfältig einsetzbare Hilfsmittel beim Aufbau der Begriffsbildung sind Schlüsselbegriffskarten.

home.arcor.de/umstetter/entwpsychologie.htm

arbeitsblaetter.stangl-taller.at/PSYCHOLOGIEENTWICKLUNG/

Willis J. Edmondson, Juliane House, Einführung in die Sprachlehrforschung, A. Francke Verlag, Tübingen 2006, S.95ff.

Lew S Wygotsky, Denken und Sprechen, S Fischer Verlag, Frankfurt 1971

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