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Elterntagung Oktober 2005

Geschrieben von dirk am in Allgemein, Elterntagungen, Veranstaltungen

Gemeinsame Fachtagung der Lehr- und Lernwerksatt DaZ und der Volkshochschule Berlin Mitte

„Guten Morgen, liebe Eltern“ Erwachsenenbildung in der Grundschule

Familie Özdemir (Name geändert) wohnt in einem Berliner Bezirk, der zu den Stadtteilen mit sozialen Problemlagen zählt. Wie alle Eltern wünschen sie sich für ihren Sohn M. eine gute Schulausbildung. Diese soll es ihm ermöglichen, später einen guten Beruf auszuüben und für seinen eigenen Lebensunterhalt
zu sorgen.
Bei der Unterstützung seiner schulischen Laufbahn sehen sie sich allerdings vor einige Probleme gestellt:
Weil sie nicht aus Deutschland kommen, haben sie keinen Einblick in das deutsche Schulsystem und wissen nicht, was an den Schulen verlangt wird.
Hinzu kommen sprachliche Probleme, die die Eltern daran hindern, mit den Lehrern ins Gespräch zu kommen. Daraus resultieren allgemeine Berührungsängste, mit der Schule in Kontakt zu treten.
Wie schon beim älteren Sohn der Familie M. werden die Wünsche der Eltern wahrscheinlich nicht Realität werden. Statistisch gesehen beendet in den Innenstadtbezirken Berlins zwei Drittel der Schüler nichtdeutscher Herkunftssprache die Schule ohne Schulabschluss oder nur mit einem der Hauptschulabschlüsse.
Vielleicht wird M. den Hauptschulabschluss erlangen. Die Suche nach einem Ausbildungsplatz wird voraussichtlich schwer. ?Einmal Verlierer, immer Verlierer?, titelte der Tagesspiegel anlässlich der ersten
Pisa-Untersuchung und beschreibt damit prägnant den Zusammenhang von Armut, bildungsfernem Milieu und Schulerfolg.
Seitdem engagiert man sich in Berlin für mehr Chancengleichheit. Bislang wurde dafür vor allem den Schulen eine große Verantwortung zugesprochen.
Neben der Institution Schule muss jedoch auch das restliche Umfeld der Kinder mit einbezogen werden. Ein zentraler Aspekt ist dabei die Elternarbeit, denn für den Erfolg in den Bildungseinrichtungen ist die Ausrichtung der Migranten und ihrer Familien auf die Erwartungen der Kerninstitution Schule bedeutsam. Die Lehr- und Lernwerkstatt DaZ ist diesbezüglich eine treibende Kraft, die sich beständig bemüht, Elternarbeit und Elternbildung voranzubringen.

Ziele der Lernwerkstatt sind es, Elternarbeit und schulische Bildung besser zu vernetzen und diese im Bildungsbereich als festen Bestandteil zu etablieren. In den vergangenen Jahren wurden an einer Reihe von Schulen im Berliner Innenstadtbereich Deutschkurse für Eltern eingerichtet, denn die Deutschkenntnisse
der zugewanderten Elterngeneration fördern mittelbar auch die Bildungschancen der Nachgeborenen.
Die Lehrerinnen in den Schulen haben jedoch oft wenig Kenntnisse über den curricularen Aufbau der Deutschkurse, kennen selten die Lehrwerke, mit denen die Eltern ihrer Schüler Deutsch lernen, wissen wenig über die Lernfortschritte der Eltern und den Verlauf der Kurse. Umgekehrt werden die innerschulischen Geschehnisse und die schulischen Erwartungen an die Eltern und Schüler nur selten in den Deutschkursen thematisiert.

Elternarbeit kann besser gelingen, wenn Kursleiterinnen und Lehrerinnen mehr voneinander wissen, wenn mit den Eltern über Schule und die Erwartungen der deutschen Schule an Elternhaus und Kinder in den Deutschkursen gesprochen wird, wenn aber auch die Lehrerinnen die Eltern als (Sprach-) Lernende sehen.
Dies war Motivation für die Lehr- und Lernwerkstatt DaZ und die Volkshochschule Berlin Mitte, eine gemeinsame Tagung zu konzipieren, die Lehrer und Kursleiter zusammenbringt und ihnen den Rahmen gibt, produktive Handlungsmuster zu aktuellen Problemfeldern zu erstellen.

Das Konzept der Tagung setzt sich aus vier Elementen zusammen:

  • Ein aktuelles Eingangsreferat fokussiert auf das Problem.
  • Gemeinsame Phasen der Produktion von Lehrern und Kursleitern dienen auch dem Kennen lernen und dem Austausch von Erfahrungen.
  • Ausstellungen geben neue Impulse und Hilfen für die weitere Arbeit.
  • Eine Abschlussrunde (Fishbowl) unter Einbeziehung der bezirklichen Entscheidungsträger soll nachhaltig wirksame Maßnahmen im Sinne von Elternarbeit und Elternbildung in Gang setzen.

Erfolgreiche Bildung ist eine der zentralen Voraussetzungen für den Zugang zu Arbeit und Einkommen und damit eine Bedingung für gelingende Integration.
Um eine bestmögliche Förderung der Kinder zu erreichen, müssen Eltern und Lehrer in ihrer Zusammenarbeit unterstützt werden. Dies gilt besonders für die sozial problematischen Innenstadtbezirke Berlins. Deshalb würden wir uns freuen, wenn Tagungen wie diese in möglichst vielen Innenstadtbezirken eine bessere Kooperation von Eltern, Kursleitern und Lehrkräften zum Wohle der Kinder bewirken.

Die Redaktion, Ina Meißner und Michael Nové

Tagungsband

Umschlag des Tagungsbandes